Fast 15 Jahre YouTube – was ich aus all den Jahren mitgenommen habe
Manchmal schaue ich auf unseren YouTube-Kanal und denke mir: Wie ist das eigentlich passiert?
Am 15. Dezember 2011 habe ich angefangen, Videos auf YouTube zu machen. Damals hieß der Kanal noch The Holly Dönis und wenn mir jemand erzählt hätte, dass ich fast 15 Jahre später immer noch filme, hätte ich wahrscheinlich ziemlich ungläubig geguckt. Nicht, weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass ich irgendwann noch Videos mache, sondern weil ich damals überhaupt keinen Plan hatte, was daraus einmal werden würde.
Es sollte einfach Spaß machen.
Wir hatten Lust, ein bisschen Quatsch zu machen, und irgendwann war die Kamera dabei. Das war im Grunde schon die ganze Idee. Ich wollte keine große Marke aufbauen und ich hatte auch nicht das Ziel, irgendwann einmal tausende Videos auf einem Kanal zu haben. Ich wollte einfach ausprobieren, wie es ist, vor einer Kamera zu sitzen und Dinge festzuhalten.
Und dann kam Make-up. Hauls und Tutorials gehörten irgendwann ganz selbstverständlich dazu. Wenn ich etwas Neues ausprobiert hatte, wurde daraus ein Video. Wenn ich etwas interessant fand, konnte ich es zeigen. Es gab sogar solche Sachen wie ein Tutorial darüber, wie man einen Schal bindet. Heute muss ich darüber manchmal ein bisschen schmunzeln, aber damals war das für mich völlig normal. Ich hatte etwas zu erzählen und eine Kamera davor, also wurde ein Video daraus.
Dass sich der Kanal irgendwann komplett verändern würde, hätte ich damals wahrscheinlich nicht erwartet.
Von der klobigen Samsung zur kleinen weißen Legria
Unsere erste Kamera war noch so ein ziemlich klobiges Samsung-Modell, das wir eigentlich hauptsächlich für Fotos gekauft hatten. Irgendwann haben wir gemerkt, dass man damit natürlich auch filmen kann, und dann wurde eben damit gefilmt. So richtig glücklich war ich mit dem Ergebnis allerdings nicht. Dann kam irgendwann meine kleine weiße Canon Legria. Und die mochte ich wirklich. Die war handlich, ich konnte sie einfach mitnehmen und plötzlich musste ich nicht mehr darüber nachdenken, wo eine Kamera stehen musste und was ich davor eigentlich erzählen wollte.
Ich konnte loslaufen.
Und genau da veränderte sich für mich das Filmen.
Die Kamera kam mit ins Auto, mit zum Ausflug und irgendwann auch mit in den Urlaub. Aus einzelnen Videos wurden Vlogs, und aus den Vlogs wurde immer mehr unser Alltag. Das passierte nicht an einem bestimmten Tag, an dem ich beschlossen hätte: So, ab heute machen wir Familienvlogs. Es entwickelte sich einfach. Wir waren unterwegs, also wurde gefilmt. Wir machten etwas zusammen, also konnte die Kamera dabei sein. Und irgendwann gehörten Dulli und Bine ganz selbstverständlich zusammen vor die Kamera.
Dann kamen immer mehr Menschen dazu, die heute für viele Zuschauer genauso mit Nordlicht Bine verbunden sind wie ich selbst. Frau Douglas zum Beispiel. Sie war nicht von Anfang an Teil des Kanals, aber irgendwann wurde sie immer häufiger mitgenommen, und inzwischen möchte ich sie ehrlich gesagt auch gar nicht mehr missen. Wenn Frau Douglas dabei ist, weiß man schließlich nie so ganz genau, was passiert. Und wenn sie nicht dabei ist, ist es bei uns meistens ein bisschen ruhiger. Weniger zu lachen gibt es dann tatsächlich auch.
Später kam Leni dazu. Unsere BKH. Und irgendwie hat sie es geschafft, innerhalb von ungefähr fünf Jahren zu einem festen Bestandteil unseres Alltags und damit auch unserer Videos zu werden. Wenn Leni irgendwo herumliegt, gehört das mittlerweile fast schon genauso zum Bild wie Manuel oder ich. Und wenn sie mal gar nicht auftaucht, merkt man tatsächlich, dass etwas fehlt.
Wenn ich die ganzen Jahre so betrachte, geht es deshalb längst nicht mehr nur um YouTube. Es geht um die Geschichte unseres Lebens, die sich dabei ganz nebenbei mitgesammelt hat.
Wir haben geheiratet. Wir waren gemeinsam unterwegs. Wir haben Urlaub gemacht, sind durch Ostfriesland gefahren, haben Ausflüge unternommen und uns manchmal über Dinge kaputtgelacht, die wahrscheinlich nur für uns besonders lustig waren (Manuel hat mit seinem Streamer-Team bei Familybusiness_LP übrigens ganz ähnliche Geschichten). Und irgendwann schaut man sich ein altes Video an und merkt: Mensch, das ist ja schon ewig her.
Das ist für mich einer der schönsten Teile an YouTube. Man sammelt Erinnerungen, ohne es unbedingt zu merken.
Wie aus einer alten Kamera eine neue wurde
Natürlich haben sich dabei auch die Kameras verändert. Die kleine weiße Legria, an der ich immer noch hängen würde, wenn sie noch funktionieren würde, hat irgendwann das Zeitliche gesegnet. Danach hatten wir eine andere Kamera, die uns viele Jahre begleitet hat. Sie war bei unglaublich vielen Geschichten dabei. Irgendwann saß ich dann aber vor dem Fernseher und dachte: „Uh." Beim nächsten Video wieder: „Uh." Und dann noch einmal: „Warum wackelt das denn so?"
Manuel hatte natürlich längst gesagt, dass wir eine neue Kamera brauchen.
Er ist bei Technik einfach konsequenter als ich. Wenn etwas alt ist, aber noch funktioniert, bin ich ziemlich schnell bei: Dann können wir es doch auch weiter benutzen. Manuel schaut eher darauf, ob es noch zeitgemäß ist. Das betrifft übrigens nicht nur Kameras. Mein alter Rechner ist ein ähnliches Thema. Der hat ungefähr zwölf Jahre lang brav meine Videos geschnitten und für mich war das lange Zeit überhaupt kein Problem. Er lief doch.
Manuel war der Meinung, dass ein Rechner irgendwann auch mal in Rente gehen darf.
Leider hat er damit gelegentlich recht.
Heute filme ich mit der DJI Osmo und ich muss zugeben, dass die Aufnahmen wirklich einen Unterschied machen. Gerade beim Vloggen ist es schön, wenn das Bild nicht bei jeder Bewegung aussieht, als würde ich gerade auf einem kleinen Schiff stehen.
Trotzdem hat sich an einer Sache nichts geändert: Ich filme immer noch am liebsten dann, wenn ich gar nicht weiß, was daraus werden wird.
Ich kenne diesen Gedanken nur zu gut: „Heute lohnt sich das doch gar nicht. Wir machen ja nur Tretbootfahren." Oder wir fahren eben kurz irgendwohin und ich denke mir, dass das bestimmt kein großes Video ergibt. Und hinterher stelle ich beim Schneiden fest, dass genau an diesem Tag wieder hundert kleine Dinge passiert sind, die ich hätte mitnehmen können.
Deshalb nehme ich heute lieber die Kamera mit.
Wenn am Ende nur zwei Minuten übrig bleiben, dann sind es eben zwei Minuten. Ich brauche nicht mehr unbedingt einen Tag, der sauber in Anfang, Mitte und Ende passt. Ich möchte die Geschichte so erzählen, wie sie passiert ist.
Und vielleicht liegt genau darin das, was ich aus diesen fast 15 Jahren mitgenommen habe: Man weiß vorher nie, was später wichtig sein wird. Man kann das nicht planen, man kann nur da sein, die Kamera einschalten und schauen, was passiert.
Und wenn ich ehrlich bin, ist das ziemlich genau das, womit alles angefangen hat.