Ein ganz normaler Tag bei Dulli & Bine
Wenn man mich fragen würde, wie ein ganz normaler Tag bei Dulli & Bine aussieht, könnte ich wahrscheinlich ziemlich lange überlegen und wäre am Ende trotzdem nicht in der Lage, eine vernünftige Antwort zu geben.
Denn unser „normal" ist eigentlich ziemlich flexibel.
Es gibt Tage, an denen passiert überhaupt nichts Besonderes. Und dann gibt es diese Tage, an denen wir morgens aufstehen und noch nicht wissen, dass wir abends viel mehr erlebt haben werden, als wir eigentlich geplant hatten.
Genau deshalb funktioniert das Filmen für mich mittlerweile so gut.
Ich versuche gar nicht mehr, einen Tag vorher zu bewerten.
Früher habe ich das viel öfter gemacht. Wenn wir nur eine Kleinigkeit vorhatten, dachte ich schnell: Das lohnt sich doch nicht zu filmen. Wir fahren ja nur kurz irgendwohin. Wir machen nur einen kleinen Ausflug. Wir wollen nur etwas besorgen.
Heute denke ich mir: Nimm die Kamera einfach mit.
Das hat ein bisschen mit Erfahrung zu tun und ein bisschen mit Faulheit, wenn ich ehrlich bin. Denn wenn ich die Kamera nicht mitnehme und dann doch etwas passiert, ärgere ich mich hinterher.
Dann sitze ich beim Schneiden und denke: Warum habe ich das nicht aufgenommen? Das kennt wahrscheinlich jeder, der schon einmal etwas dokumentiert hat.
Unsere Kamera-Geschichte — von der klobigen Samsung über meine geliebte Canon Legria bis zur DJI Osmo, inklusive der ewigen Diskussion mit Manuel, was noch zeitgemäß ist — erzähle ich ausführlicher in Fast 15 Jahre YouTube.
Aber die Technik macht natürlich nicht unseren Alltag. Die Technik kann nur festhalten, was passiert.
Und da kommen wir wieder zu diesem ganz normalen Tag zurück.
Vielleicht starten wir ganz entspannt zuhause. Vielleicht gibt es irgendwo etwas zu erledigen. Vielleicht ruft Frau Douglas an. Vielleicht fällt Manuel ein, dass wir eigentlich noch etwas anderes machen wollten. Vielleicht hat Leni gerade beschlossen, dass genau jetzt der richtige Zeitpunkt ist, sich mitten in alles hineinzulegen.
Und schon ist aus einem ganz normalen Tag eine kleine Geschichte geworden.
Frau Douglas ist dabei sowieso eine eigene Kategorie. Wenn sie mitkommt, weiß ich inzwischen, dass ich die Kamera besser nicht zu früh ausschalte. Irgendwie schafft sie es, aus scheinbar nebensächlichen Situationen etwas zu machen, worüber wir später noch lachen. Das ist gar nicht unbedingt Absicht. Sie ist einfach so.
Und wenn sie nicht da ist, ist es bei uns tatsächlich oft ruhiger.
Leni bringt wiederum ihre ganz eigene Form von Chaos mit, wobei ich bei ihr gelernt habe, dass man von einer Katze sowieso nicht erwarten sollte, sich nach einem Drehplan zu richten.
Wenn Leni gerade Lust hat, vor der Kamera zu sitzen, dann sitzt sie da. Wenn sie lieber irgendwo schläft, ist das ebenfalls völlig in Ordnung.
Das ist vielleicht das Schönste an einem normalen Tag bei uns: Wir müssen ihn nicht vorher schreiben, wir erleben ihn. Und wenn die Kamera dabei ist, kann später daraus ein Video werden.
Vielleicht ist es nur ein kurzer Moment. Vielleicht sind es zehn Minuten. Vielleicht entsteht daraus ein kompletter Vlog.
Ich brauche heute nicht mehr das Gefühl, dass aus jedem Tag eine fertige Geschichte werden muss. Das echte Leben funktioniert schließlich auch nicht so. Manchmal passiert morgens etwas Lustiges und abends ist es längst wieder vergessen. Manchmal kommt mitten im Tag etwas dazu, das völlig ungeplant war und plötzlich alles verändert.
Und genau das möchte ich filmen. Nicht den perfekten Ablauf, sondern das, was wirklich passiert.
Wenn wir also morgens losfahren und ich denke: Heute wird bestimmt nichts Besonderes passieren, dann weiß ich inzwischen ziemlich genau, dass das ein gefährlicher Gedanke ist.
Denn bei uns passiert eigentlich immer irgendetwas. Und wenn es wirklich nur zwei Minuten sind, dann sind es eben zwei Minuten — aber ich habe sie.
Und vielleicht sind genau diese zwei Minuten irgendwann die, über die ich mich am meisten freue.