← Zurück zum Blog

Familienvlog statt perfektes Familienleben

Manchmal schaue ich mir andere Familieninhalte im Internet an und denke mir: Also bei denen scheint das aber ganz schön gut zu laufen.

Alles ist ordentlich, alle sind gut gelaunt, die Kinder sehen glücklich aus, der Urlaub ist perfekt und selbst wenn etwas schiefgeht, sieht es hinterher noch nach einer wunderschönen Erinnerung aus.

Bei uns funktioniert das etwas anders. Und ganz ehrlich: Ich finde das auch ganz gut so.

Wenn wir unsere Videos machen, geht es nicht darum, ein perfektes Familienleben zu zeigen. Es geht darum, unser Familienleben zu zeigen. Und das ist nun einmal nicht jeden Tag perfekt.

Manchmal ist jemand genervt. Manchmal möchte jemand lieber etwas anderes machen. Manchmal läuft ein Ausflug nicht so, wie wir ihn geplant hatten. Manchmal sind wir müde und manchmal lachen wir über Dinge, die für andere wahrscheinlich völlig unspektakulär wären.

Aber genau daraus bestehen unsere Tage.

Dulli und Bine sind eben nicht zwei Menschen, die den ganzen Tag perfekt miteinander funktionieren. Wir sind wir. Wir haben unterschiedliche Vorstellungen, wir diskutieren, wir ziehen uns gegenseitig auf und manchmal drängelt Manuel schon wieder, obwohl ich eigentlich noch gar nicht so weit bin.

Das ist vermutlich auch bei der Technik so ziemlich unsere klassische Rollenverteilung: Ich sage „Das funktioniert doch noch", Manuel sagt „Aber wir brauchen etwas Neues" — unsere ganze Kamera-Geschichte dazu erzähle ich ausführlicher in Fast 15 Jahre YouTube. Meistens hat er am Ende recht, das gebe ich zu.

Aber genau solche Kleinigkeiten gehören für mich in einen Familienvlog genauso hinein wie die großen Dinge.

Wenn wir gemeinsam unterwegs sind, passiert schließlich nicht nur das, was im Reiseprospekt stehen würde. Wir machen einen Ausflug und geraten irgendwo in eine kleine Diskussion. Wir fahren Tretboot und stellen fest, dass der Tag viel lustiger wird als gedacht. Wir fahren Fahrrad und wollen eigentlich nur eine kleine Runde drehen. Und dann wird aus dem kleinen Ausflug plötzlich ein halber Tag.

Die Kamera ist dabei nicht dazu da, jeden Moment festzuhalten — sie ist dazu da, die Momente festzuhalten, die später eine Geschichte erzählen. Das ist ein Unterschied.

Ich möchte nicht, dass man beim Anschauen unserer Videos das Gefühl bekommt, wir hätten die Kamera ständig auf das Gesicht gehalten. Ich möchte lieber, dass man das Gefühl bekommt, man war ein Stück weit mit dabei.

Vielleicht liegt das auch daran, dass ich selbst so gerne alte Videos anschaue.

Wenn ich eine Aufnahme von einem Urlaub sehe, erinnere ich mich irgendwann nicht mehr unbedingt daran, was wir an dem Tag unbedingt sehen wollten. Ich erinnere mich an etwas ganz anderes. Einen Satz von Manuel. Einen komischen Moment mit Frau Douglas. Einen Ort, an dem wir zufällig angehalten haben. Oder an eine Kleinigkeit, die damals überhaupt keine Bedeutung hatte und heute plötzlich die Erinnerung zurückbringt.

Das ist für mich der eigentliche Wert.

Natürlich ist auch Frau Douglas ein großer Teil dieser Geschichte. Wenn sie dabei ist, kann man sich ziemlich sicher sein, dass es nicht langweilig wird. Sie schafft es auf ihre ganz eigene Art, aus normalen Situationen kleine Geschichten zu machen. Mal ist sie verpeilt, mal macht sie irgendeinen Unsinn, und manchmal reicht schon ein Satz, damit wir später noch darüber lachen.

Wenn Frau Douglas nicht dabei ist, ist es bei uns tatsächlich meistens ein bisschen ruhiger.

Und dann gibt es Leni. Die kann man beim besten Willen nicht dazu bringen, sich an irgendeinen Plan zu halten. Wenn sie mit ins Bild möchte, kommt sie ins Bild. Wenn nicht, dann eben nicht. Seit ungefähr fünf Jahren gehört sie zu unserem Alltag und inzwischen ist sie so selbstverständlich Teil unserer Familie, dass es schon fast komisch wäre, sie nicht in den aktuellen Videos zu sehen.

Auch das ist eben Familienleben. Nicht alles ist planbar, nicht alles ist vorhersehbar, und nicht alles muss es sein.

Vielleicht ist das einer der Gründe, warum ich heute lieber filme als früher. Früher habe ich mehr darüber nachgedacht, ob ein Tag überhaupt interessant genug ist. Heute weiß ich, dass ich das gar nicht entscheiden kann.

Wir können einen riesigen Ausflug machen und am Ende kaum Material haben, weil einfach nicht viel passiert ist. Oder wir können für zwei Stunden irgendwohin fahren und plötzlich reicht das Material für einen kompletten Vlog.

Das Leben entscheidet. Und ich filme lieber, wenn es passiert.

Wenn am Ende nur zwei Minuten übrig bleiben, ist das für mich auch in Ordnung. Ich muss nichts künstlich aufblasen, nur damit ein Video eine bestimmte Länge erreicht.

Ich glaube, das ist auch etwas, das sich über die Jahre verändert hat. Ich habe nicht mehr das Gefühl, jeden Tag irgendetwas produzieren zu müssen.

Ich möchte erzählen, was zu uns passt. Und wenn unser Tag eben aus einer kleinen Fahrradtour, einem Einkauf, einem Essen, einer Begegnung und einem dummen Spruch von Frau Douglas besteht, dann ist das unsere Geschichte.

Mehr muss es gar nicht sein.

Vielleicht ist genau das der Grund, warum sich Nordlicht Bine für mich immer noch richtig anfühlt: Es ist kein perfektes Familienleben, es ist unser Familienleben.

Und das reicht mir vollkommen.

Passende Videos