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Warum ich bis heute gerne vlogge

Ich glaube, ich habe mir über die Jahre eine ziemlich einfache Angewohnheit angewöhnt: Ich nehme die Kamera mit.

Nicht, weil ich davon ausgehe, dass jeden Tag etwas Spektakuläres passiert. Ganz im Gegenteil. Häufig weiß ich morgens noch gar nicht, ob der Tag überhaupt irgendeine Geschichte hergeben wird. Wir machen vielleicht nur einen kleinen Ausflug, wollen kurz irgendwo etwas erledigen oder fahren irgendwohin, weil wir gerade Lust darauf haben.

Und trotzdem landet die Kamera meistens im Gepäck. Das war nicht immer so.

Am Anfang von The Holly Dönis hatte ich viel stärker das Gefühl, dass ein Video ein bestimmtes Thema braucht. Es gab Make-up-Videos, Hauls und Tutorials, und da wusste ich ziemlich genau, worüber ich an diesem Tag sprechen wollte. Ich konnte mich hinsetzen, Kamera an und los.

Beim Vloggen funktioniert das anders. Da weiß ich manchmal nicht einmal, was zehn Minuten später passiert. Das ist einer der Gründe, warum ich es so mag.

Wenn wir beispielsweise Tretboot fahren wollen, könnte man ja eigentlich sagen: Was soll daraus schon werden? Wir steigen auf das Boot, treten ein bisschen herum und fahren wieder zurück. Fertig.

Aber genau an diesem Punkt habe ich über die Jahre gelernt, mir selbst nicht mehr zu glauben. Denn meistens passiert eben doch irgendetwas.

Vielleicht ist es nur ein dummer Spruch. Vielleicht verfahren wir uns. Vielleicht ist irgendetwas plötzlich lustiger als erwartet. Vielleicht treffen wir jemanden oder sehen etwas, das wir unbedingt zeigen wollen. Manchmal ist es auch einfach eine ganz normale Stimmung, die ich später gerne wiederhaben möchte.

Und dann bin ich froh, dass die Kamera dabei war.

Das Interessante daran ist, dass ich vorher überhaupt nicht beurteilen kann, was sich später als sehenswert herausstellt. Ich habe mir oft genug gedacht: Heute lohnt sich das Filmen eigentlich nicht. Und später beim Schneiden habe ich dann gedacht: Bine, warum hast du nicht noch mehr mitgenommen?

Mittlerweile bin ich deshalb ziemlich entspannt geworden. Ich filme einfach.

Nicht permanent und nicht jeden Schritt unseres Lebens. Aber wenn die Kamera schon dabei ist, kann ich sie auch einschalten, wenn gerade etwas passiert.

Das ist durch die Technik natürlich viel einfacher geworden — unsere ganze Kamera-Geschichte von der klobigen Samsung bis zur DJI Osmo erzähle ich ausführlicher in Fast 15 Jahre YouTube.

Das ist für mich beim Vloggen entscheidend, denn ein Vlog darf nicht kompliziert sein. Wenn ich erst zehn Minuten brauche, bis alles aufgebaut ist, verliere ich irgendwann die Lust. Ich möchte mitten in einer Situation filmen können. Ich möchte reagieren, wenn etwas passiert. Und ich möchte nicht das Gefühl haben, dass die Kamera uns von dem eigentlichen Erlebnis trennt.

Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum unsere Videos über die Jahre immer persönlicher geworden sind.

Wir zeigen nicht nur Orte, sondern Situationen. Wir zeigen nicht nur Ostfriesland, sondern das, was wir dort erleben. Wir fahren nicht einfach Tretboot, sondern wir sind eben Dulli und Bine, die zusammen Tretboot fahren. Und wenn Frau Douglas dabei ist, kann sich so ein kleiner Ausflug sowieso ganz schnell in eine ganz andere Richtung entwickeln.

Mit Frau Douglas ist es einfach schwieriger, einen normalen Ablauf zu planen. Man kann ziemlich sicher davon ausgehen, dass irgendwann irgendetwas passiert, das man so nicht eingeplant hatte. Und wenn sie nicht dabei ist, fehlt uns tatsächlich manchmal genau dieses Chaos.

Leni ist da nicht viel berechenbarer. Die interessiert sich selbstverständlich nicht dafür, ob wir gerade filmen möchten oder ob sie heute überhaupt im Mittelpunkt stehen soll. Wenn sie gerade keine Lust hat, ist sie weg. Und wenn sie mitten im Video auftauchen möchte, dann ist sie plötzlich da.

Genau das ist Vloggen für mich. Es geht nicht darum, ein perfektes Leben abzubilden. Es geht darum, einen Teil von dem festzuhalten, was wirklich passiert.

Und vielleicht ist das auch der Grund, warum ich nach all den Jahren noch Spaß daran habe. Ich muss nicht mehr jeden Tag etwas Großes erzählen, ich kann einfach mit der Kamera losgehen. Wenn daraus zwei Minuten werden, dann werden es zwei Minuten. Wenn wir einen ganzen Tag unterwegs sind und daraus ein längeres Video entsteht, dann ist das eben so.

Ich habe keinen abgeschlossenen Tag mehr nötig. Ich möchte lieber einen echten Tag haben.

Denn wenn ich eines gelernt habe, dann ist es: Ausgerechnet an dem Tag, an dem man denkt, dass sowieso nichts passiert, passiert meistens am meisten.

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